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Wenn Liebe Farce wird



Britta schob gerade die mit Hackfleisch gefüllten Paprikas in den Ofen, als Andreas nach Hause kam.
„Hallo Schatz! Was gibt es zu essen?“
„Hallo, in einer halben Stunde ist es fertig. Wie war dein Tag?“
„Wie ich höre ist unser Sohn in seinem Zimmer. Hat er den Mathetest bestanden?“
Sie kramte aus der Schublade Besteck hervor. „Hilfst du, den Tisch zu decken?“
Er nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank, beförderte das Besteck zum Esstisch und ließ sich auf die Couch fallen.

***

Niemand roch den säuerlichen Geruch seiner auf dem Schreibtisch liegenden Füße. Er machte die Musik aus und ging an das summende Handy.
„Meine Alten rufen bestimmt gleich zum Essen, aber ein paar Minuten habe ich noch.“
Er nahm das Telefon ans andere Ohr.
„Nein, passt schon. Mach, sag was los ist“
Mit einem Fuß stieß er einen Bleistift an, der daraufhin ein paar Zentimeter zur Seite kullerte.
„Deine Eltern lassen sich scheiden? …. . Scheiße!“
Er nahm die Füße vom Tisch. Dabei schubste er den Bleistift so weit, dass der zu Boden fiel.
„Benni, kommst du bitte zum Essen runter!“
„Gleich!“, schrie Benni der geschlossenen Tür entgegen und dann zu seinem Freund am Telefon: „Tut mir echt leid für dich, aber dann hast du ab jetzt zweimal im Jahr Weihnachten und Geburtstag, oder?“

***

Andreas schob sich eine volle Gabel mit gefüllter Paprika in den Mund.
„Wie war es in der Schule?“, fragte Britta.
Aus dem Mundwinkel kullerte ein Stück Hackfleisch hervor, fiel und blieb in seinem Bart hängen.
„Die Eltern von Karl lassen sich scheiden.“
Er machte eine Pause beim Kauen.
„Oh“, sagte sie. „Und wie war der Mathetest?“
Mit der Hand wischte er sich über das Kinn und schmierte das Hackfleisch breit.
„Gut“, wehrte Benni ab. „Ich habe keinen Hunger. Kann ich in mein Zimmer gehen?“
Er nickte und schaufelte sich neues Hackfleisch in den Mund.
„Na geh schon“, flüsterte sie ihrem Sohn zu.
Andreas kaute weiter.
Benni stand auf und ging.
Eine weitere Kugel Hackfleisch verfing sich in seinem Bart.
„Lieben wir uns noch?“, flüsterte sie.
Benni schmiss die Tür mit lautem Knall zu.
„Klar“, murmelte er und trank den Rest seines zweiten Bieres aus.
Benni drehte die Lautstärke seiner Musik auf das vereinbarte, maximal akzeptable Limit.
„Verdammte Musik“, sagte er und holte sich aus dem Kühlschrank ein neues Bier.
Sie spürte, wie das Spinnennetz vor ihrer Vagina vertrocknete.
Er setzte sich und aß weiter.
Sie entdeckte die Hackfleischreste in seinem Bart und konnte den Brechreiz unterdrücken.
„Du kochst“, sagte er. „Und wenn deine Liebe in diesem Hackfleisch ist, dann hau ich mir den Bauch damit voll.“
Sie zwang sich zu lächeln.
„Siehst du.“
Sie schluckte nichts herunter.
Er nahm eine extra große Portion auf die Gabel.
Sie nahm ihren Teller und räumte ihn in die Spülmaschine.
Er verschluckte sich und hustete kleine Hackfleischteile auf den Teller.
Sie räumte Bennies Teller auf.
Er wischte mit der Hand durch den Bart. „Ich bin satt.“
Nachdem das dreckige Geschirr in der Spülmaschine verstaut war, ging sie ins Bad.
Der eingeschaltete Fernseher vertrieb seine Gedanken. Das Bier war schon fast wieder alle.

***

Im Mülleimer fing die Hackfleischfüllung an, zu vergammeln.

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